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Wie bei den Grünen die Geschichte missbraucht wird: Parteitags-Rednerin vergleicht Klimaforscher mit Juden

Archivmeldung vom 12.06.2021

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung am 12.06.2021 wiedergibt. Eventuelle in der Zwischenzeit veränderte Sachverhalte bleiben daher unberücksichtigt.

Freigeschaltet durch Sanjo Babić
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Bild: B90/ Die Grünen

Es ist die Quadratur der Doppelmoral. Einerseits lassen viele ideologische Moralapostel keine Gelegenheit aus, um ihre politischen Gegner als „Nazis“ zu diskreditieren. Andernfalls schlagen sie sofort mit der Moralkeule, sofern diese selbst geschichtliche Vergleiche machen. Jetzt ist auf dieser nach oben offenen Richterskala der Absurdität und Doppelmoral ein neues Stadium erreicht. Dies berichtet der Investigative Journalist Boris Reitschuster auf "Reitschuster.de".

Reitschuster weiter: "Auf dem Bundesparteitag der Grünen verglich die 2016, unter anderem für ihr Buch „Gegen dann Hass“, mit dem Friedenspreis des deutschen Buchhandels ausgezeichnete Carolin Emcke „Klimaforscherinnen“ mit Juden: „Es wird sicher wieder von Elite gesprochen werden. Und vermutlich werden es dann nicht die Juden und Kosmopoliten, nicht die Feministinnen und die Virologinnen sein, vor denen gewarnt wird, sondern die Klimaforscherinnen.“

Emcke, die unter anderem für die Süddeutsche Zeitung schreibt, erntete mit dieser Aussage heftige Kritik in den sozialen Medien:

Aber auch Unterstützung für Emcke gibt es:

Angespielt wird hier – und in vielen ähnlichen Tweets – auf den Auftritt von „Jana aus Kassel“. Die junge Frau, die eher zufällig die Bühne einer kleinen Querdenker-Demonstration betrat, um dort spontan etwas zu sagen, geriet massiv unter Kritik, weil sie äußerte, sie als Maßnahmenkritikerin würde sich ein bisschen wie Sophie Scholl fühlen. Wobei hier die große Frage ist: Wie kann man hier eine völlig unbekannte junge Frau neben eine vielfach ausgezeichnete Publizistin setzen, die auf dem Parteitag der Grünen auftritt, die schon bald die Kanzlerin stellen könnten. Wer den Unterschied nicht sieht, dem sind völlig alle Maßstäbe verrückt.

Die Aussage Emckes ist auch einfach falsch. Denn es gehört wohl wenig Mut dazu und man muss keine große Sorge haben, ausgegrenzt zu werden, wenn man in Fragen des Klimawandels die vorherrschende Meinung vertritt. Genau das Gegenteil ist der Fall: Kritiker dieser vorherrschenden Meinung werden ausgegrenzt und müssen mit schwerwiegenden Folgen rechnen.

Brisant ist er Fall auch vor dem Hintergrund der in meinen Augen völlig an den Haaren herbeigezogenen Antisemitismus-Vorwürfe gegen den früheren Verfassungsschutzchef und CDU-Politiker Hans-Georg Maaßen. In dem Fall wird nach Ansicht von Kritikern sogar das überaus heikle und schmerzhafte Thema missbraucht für eine Diskreditierung des politischen Gegners und echter Antisemitismus damit verharmlost. „Es ist äußerst befremdlich, wie der Vorwurf des Antisemitismus hier strategisch eingesetzt wird. Als jüdische Gemeinschaft erwarten wir von der Politik, dass Antisemitismus entschieden und mit allen Mitteln des demokratischen Rechtsstaates bekämpft wird“, sagte ein Vertreter der jüdischen Gemeinden in Nordrhein-Westfalen im ZDF: „Wer Antisemitismus nutzt, um im Wahlkampf zu punkten, verhöhnt dessen tägliche Opfer.“

Die ganze Causa zeigt, wie vergiftet die politische Atmosphäre und das Diskurs-Klima in Deutschland sind. Einerseits auf fast allen Seiten bei vielen ein geradezu manische Fixierung auf Vergleiche und Parallelen zum Dritten Reich (auch ich selbst komme da leider zu oft in Versuchung, versuche allerdings, so gut es geht zu widerstehen). Damit einhergehend die fast schon ritualisierte Instrumentalisierung der unvorstellbaren Verbrechen der Nationalsozialisten (die dabei fast immer abgekürzt als „Nazis“ bezeichnet werden, so fällt der Namensbestandteil „Sozialisten“ weg). Und andererseits ständige Empörung darüber, wenn das andere politische Lager das Gleiche tut, was man selbst ständig macht.

Anders als mit Hysterie ist das alles kaum zu erklären. Bemerkenswert ist auch, dass sowohl Baerbock als auch Habeck Emckes virtuellen Auftritt gespannt und offensichtlich auch geneigt, ja beinahe andächtig folgten. Sie applaudierten brav und hatten offenbar keinerlei Problem mit dem problematischen Satz. Grünen-Bundesgeschäftsführer Michael Kellner sagte der BILD, Emcke wäre „über jeden Verdacht des Antisemitismus erhaben und hat in ihrer Rede die Logik der Demagogie aufgedeckt“. 

Die Bösen sind für diejenigen, die für sich selbst das Gutsein und die Moral gepachtet zu haben glauben, eben immer die andere. Selten war Doppelmoral und Heuchelei so offensichtlich.

Quelle: Reitschuster


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