Siemens will Ex-Vorstände auf Schadenersatz verklagen
Mehreren Siemens-Top-Managern werden erhebliche Versäumnisse in ihrer Amtszeit angelastet, die einen der größten Korruptionsfälle in der deutschen Wirtschaft erst möglich gemacht haben sollen. Sie müssen mit Entschädigungs-Forderungen in Höhe von jeweils mehreren Millionen Euro rechnen.
Wie der SPIEGEL bereits berichtete, sollen mehrere ehemalige Zentralvorstände der Jahre 2003 bis 2006 auf Schadensersatz verklagt werden, darunter der einstige Konzernchef Heinrich von Pierer. Der Siemens-Aufsichtsrat will nächste Woche auf seiner Sitzung endgültig über die Klagen entscheiden.
Die Beratungen laufen unter dem Stichwort "Compliance", das die Einhaltung von Gesetzen oder firmeninterner Kodizes bezeichnet. Ein Siemens-Sprecher sagte auf Anfrage der Nachrichtenagentur AP, der Konzern prüfe fortlaufend, ob bei Compliance-Themen Schadensersatzansprüche bestünden und ob diese erfolgversprechend seien. Zu Details wollte er nicht Stellung nehmen.
Im Mai hatte die Staatsanwaltschaft bereits ein Verfahren gegen von Pierer, Klaus Kleinfeld und fast alle anderen Zentralvorstände eingeleitet. Pierer steht im Verdacht, seine Aufsichtspflicht im Konzern verletzt und so gegen das Ordnungsrecht verstoßen zu haben.
Pierers Anwalt äußerte sich laut "Süddeutscher Zeitung" nicht zu der geplanten Schadenersatzklage. Der Manager hat stets betont, schuldlos an der Affäre zu sein, ebenso sein Nachfolger Klaus Kleinfeld, der bis 2007 amtierte. Neubürgers Anwalt sagte dem Blatt, von einer bevorstehenden Klage sei ihm und seinem Mandanten nichts bekannt, deshalb wolle er sich dazu nicht äußern.
In Deutschlands größtem Schmiergeldskandal geht es um dubiose Zahlungen in Höhe von 1,3 Milliarden Euro, die vermutlich größtenteils zur Bildung schwarzer Kassen im Ausland eingesetzt wurden. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen gut 300 Beschuldigte. Beim Landgericht München steht kommenden Montag ein erstes Urteil gegen einen früheren Siemens-Direktor an.