Internationale Börsen stürzen weiter ab
Mit einem beispiellosen Einbruch der Aktienkurse hat die Finanzmarktkrise weltweit einen neuen Höhepunkt erreicht. Der deutsche Leitindex Dax verlor am Freitag zeitweise mehr als zehn Prozent und sank auf den tiefsten Wert seit rund dreieinhalb Jahren. Auch der Dow Jones ist kurz nach Öffnen der New Yorker Börse am Freitag um fast acht Prozent gefallen. In ganz Europa ist es zu massiven Kurseinbrüchen gekommen.
Im Laufe des Tages haben die Aktienmärkte in Europa empfindlich auf die panikartigen Verkäufe in den USA und in Japan reagiert. Schon am Donnerstag war der Dow-Jones-Index um mehr als sieben Prozent gefallen. Der Nikkei-Index in Tokio stürzte fast zehn Prozent ab. "Die konzertierte Zinssenkung der Notenbanken ist so schnell verpufft, weil der Markt nicht daran glaubt, dass geldpolitische Lockerungen die fundamentalen Probleme beheben", sagte ein Marktbeobachter.
Käufer trauen Rettungsaktionen nicht
Händler zeigten sich skeptisch, dass mit dem aktuellen Kursrutsch bereits das Schlimmste überstanden ist. Es seien Panikverkäufe zu beobachten, die eine starke Eigendynamik entwickelt hätten. Die Anleger fühlten sich an die Zeit der Weltwirtschaftskrise in den 30er Jahren erinnert. Sie befürchteten, alles zu verlieren und wollten nicht warten, ob die verschiedenen Rettungsmaßnahmen der Regierung und der Notenbank Wirkung zeigen.
Unterdessen erwägt die US-Regierung im Kampf gegen die Finanzkrise eine Staatsgarantie für Bankschulden und -einlagen. Sie würde damit einer britischen Initiative folgen. Die Regierung prüfe diese Idee und spreche mit ihren britischen Partnern, sagte Regierungssprecher Tony Fratto dem "Wall Street Journal" (Freitagausgabe). Großbritannien will in den nächsten drei Jahren fällig werdende Bankverbindlichkeiten von bis zu 250 Milliarden Pfund (317 Milliarden Euro) garantieren. Die Maßnahmen wären der bisher größte Staatseingriff in das US-Finanzsystem.
Deutschland lehnt staatliche Einlagen ab
Das sei in Deutschland kein Thema, betonten indes der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg und der Sprecher von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) in Berlin. Es gebe "im Augenblick keine aktuellen Überlegungen" dazu, sagte Steinbrück-Sprecher Torsten Albig. Man sollte auch den jetzt getroffenen Maßnahmen "die Ruhe geben zu wirken", mahnte Albig. Wie die jüngste Abwärtsentwicklung beim Dax zeige, habe man ja "noch keinen Weg gefunden, der die Märkte fundamental beruhigen würde"
