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Elektroschockgeräte als Discounter-Schnäppchen

von Oliver Randakveröffentlicht 22.07.2008 16:49
Ein aktueller „Preisknaller” des Mülheimer Discounters Plus löst scharfe Kritik bei Fachärzten aus: „Katastrophal” nennt Herzspezialist Hans-Joachim Trappe, was der Discounter mit den Worten „sofortige Wiederbelebungsmaßnahmen im Kampf gegen den plötzlichen Herztod” derzeit anpreist.

Erhältlich sind die beiden Geräte über den Internet-Shop www.plus.de , eines davon zum Preis von 799,95 Euro, „speziell für Zuhause und den privaten Gebrauch!”, wie der Discounter wirbt. Doch mit solchen mobilen Elektroschockgeräte, die lebensgefährliches Kammerflimmern unterbrechen können, ist eine „Therapie für zu Hause nicht zu empfehlen”. Das sagt Professor Hans-Joachim Trappe von der Ruhr-Universität Bochum. Trappe beruft sich auf eine weltweite Medizin-Studie.

Unterstützung bekommt der Direktor der Medizinischen Klinik für Kardiologie auch von der Bundesvereinigung der Arbeitsgemeinschaften der Notärzte Deutschlands e.V. in Berlin. Deren Sprecher Jörg Beneker, selbst Notarzt, sieht nur ein „kommerzielles Interesse der Hersteller” und warnt: „Ein Defibrillator gehört nicht in den Discounter, da gibt es keine Beratung”.

Benutzung nur mit Ausbildung

Trappe und Beneker sind sich einig: Solch' ein Gerät gehört nicht in die Hand von Laien, es darf nur von ausgebildeten Personen benutzt werden. Alles andere sei gefährlich, sagt Notarzt Beneker. Sein Kollege Just Warnecke erklärt die Tücke: „Durch den Elektroschock kann sich ein Anwender auch selbst verletzten, wenn er Kontakt zum Patienten hat”. Und völlig unvorstellbar ist ihm der Gedanke, so ein Gerät aus dem Supermarkt liegt in einer Wohnung rum, in der es Kinder gibt. Nicht von ungefähr werde jeder Sanitäter von einem Arzt geschult. Den Verkauf von Difibrillatoren im Supermarkt hält Notarzt Warnecke für „ein Geschäft mit der Angst”.

Die Sprecherin der Einzelhandelskette beschwichtigt: „Die Defibrillatoren werden bei Bestellung nicht einfach mit der Post an den Kunden verschickt, sondern von speziell geschultem Personal persönlich überbracht”. Damit sei, so Nicole Dinter, eine ein- bis zweistündige Einweisung verbunden. Diese Behauptung allerdings hat sie erst auf Anfrage nachgeschoben. In der Werbung ist davon keine Rede. Im Gegenteil. Dort heißt es: „Haben Sie den Defibrillator zur Hand, brauchen Sie das Gerät nur einzuschalten. Sie werden mit einfachen Kommandos und Zeichen bis zur Defibrillation begleitet”.


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