Krieg um Biobrause
Produktpiraten werden gemeinhin im Fernen Osten vermutet. Der
bayerische Getränkehersteller Bionade wittert die schlimmsten Kopierer
jedoch im eigenen Land – und zeigt Zähne. „Wenn wir angegriffen werden,
dann werden wir auch sehr hart zurückschlagen“, sagt
Bionade-Geschäftsführer Peter Kowalsky. Dass es den Bayern ernst ist,
haben in den vergangenen Monaten gleich mehrere Hersteller erfahren
müssen. Immer wieder rief Bionade Gerichte an, um sich vor unliebsamer
Konkurrenz zu schützen. Justizia schien dabei stets auf ihrer Seite zu
stehen – bis sich die Bayern die norddeutsche Nordmanngruppe vornahmen.
Diese brachte 2008 das Erfrischungsgetränk Bios auf den Markt – und ist
damit ein purer „Nachahmer“, wie Bionade schimpft. Mehrfach versuchten
die Bayern, einstweilige Verfügungen gegen das neue Getränk zu
erwirken. So sollten die Norddeutschen unter anderem im März gezwungen
werden, einen Messeauftritt abzubrechen. Im Mai wollte Bionade ihnen
verbieten lassen, mit der Bemerkung „ohne Zuckerzusatz“ zu werben. Doch
beide Male blieb den Süddeutschen der Erfolg verwehrt. Bios hingegen
konnte im Juni erreichen, dass Bionade nicht mehr mit seinem Calcium-
und Magnesiumgehalt werben darf.
Versöhnliche Töne bei Bios
Um
ein Niederringen des etablierten Konkurrenten geht es Bios eigenem
Bekunden nach nicht. Man habe sogar zugestimmt, die einstweilige
Verfügung teilweise auszusetzen, um Bionade den Weiterverkauf seiner
Flaschen zu ermöglichen, heißt es auf der Internetseite der
Nordmanngruppe. Schließlich sei es „Wahnsinn, dass sich ausgerechnet
zwei Biohersteller vor Gericht bekriegen“.
Bionade scheint dies
anders zu sehen. Nicht nur gegen Bios, auch gegen den
Getränkehersteller Sinalco und den Lebensmitteldiscounter Plus zogen
die Bayern bereits vor Gericht. Streitpunkt: die Biolimonaden der
Beklagten, die nach Ansicht von Bionade das Erscheinungsbild der
bayerischen Brausen imitieren, obwohl sie „nur“ eine Limonade aus
ökologischen Rohstoffen seien, und nicht wie Bionade fermentiert, also
nach einem Brauverfahren hergestellt würden.
Zu viel Zucker und Nickel
Und
auch gegen unliebsame Tester gibt sich Bionade streitlustig. So
erwirkten die Getränkehersteller eine einstweilige Verfügung gegen die
Zeitschrift „Öko-Test“, die den Zuckergehalt in mehreren Bio-Limonaden
untersucht hatte. Das Ergebnis fiel für Bionade ernüchternd aus: Die
überprüfte Flasche enthielt deutlich mehr Zucker als auf dem Etikett
angegeben. Zu allem Überfluss entdeckten die Tester auch noch Nickel in
der untersuchten Bionade.
Dass die Bayern so nervös reagieren,
ist nachvollziehbar. Schließlich seien im vergangenen Jahr rund 30
mutmaßliche Nachahmer auf den Markt gekommen, um ähnliche Erfolge wie
Bionade einzuheimsen, sagt Kowalsky. Dem Absatz scheint dies jedoch
zumindest bislang nicht geschadet zu haben. Während 2002 noch zwei
Millionen Bionade-Flaschen verkauft wurden, waren es im vergangenen
Jahr schon zehnmal so viele. Und auch seit der Bios-Markteinführung
Anfang des Jahres seien die Umsätze „unverändert positiv“, sagt
Kowalsky.
Die Marktmacht bröckelt
Ob das auch Ende des Jahres noch
so ist, bleibt abzuwarten. Ab dem 15. Juli will der Weltkonzern Coca
Cola sein „Spirit of Georgia“, ein eigens für den deutschen Markt
entwickeltes Erfrischungsgetränk, an den Kunden bringen. Auch wenn die
Amerikaner auf eine Biozertifizierung verzichten, lassen einen die
ausgefallenen Geschmacksrichtungen Blutorange/Kaktusfeige,
Zitrone/Wacholderbeere und Mango/Kiwi an Bionade denken.
Konkurrent
Nordmann glaubt trotzdem an den weiteren Erfolg von Bionade. „Das ist
ein gutes Produkt, die brauchen keine Angst zu haben“, sagt
Unternehmenssprecher Lars Gräning. Offenbar auch nicht vor Bios: „Wir
haben eine ganz andere Zielgruppe, denn wir verkaufen kein Lifestyle-
sondern ein Gesundheitsgetränk.“
