Obstschneidemaschine: extrem sparsam, genau und hygienisch
Wenn Doktorand René Carreno Olejua seine Schneidemaschine startet,
bringen sich computergesteuerte Roboterarme in Position. Ein Obststück
dreht sich immer schneller in seiner Halterung. Vorsichtig tastet sich
das Schneidwerkzeug heran und beginnt das Obst zu schälen.
Aber es sind nicht Klingen, die ins Fruchtfleisch schneiden, sondern ein
messerscharfer Wasserstrahl. Vom Rechner gesteuert, passt er sich den
Konturen des Obstes an und schält es so, dass nur das Nötigste
abgetrennt wird. Außerdem ist das Schneiden mit Wasserstrahlen
hygienischer und erhöht die Haltbarkeit, weil dabei das Fruchtfleisch
weniger stark verletzt wird, als mit herkömmlichen Methoden. Das
verringert auch den Oxydationsprozess, Apfelstücke etwa verfärben sich
erst nach einigen Tagen.
Doch der eigentliche Clou an der Entwicklung Carrenos ist die
Zusammenführung dreier Techniken, von denen schon jede für sich
aufwendig und kompliziert genug ist: Bildverarbeitung, Schneiden mit
Wasserstrahlen und Robotik. "Das Thema ist in dieser Kombination in der
Lebensmitteltechnik total neu", sagt er über seine Forschungsarbeit im
Maschinenbaustudiengang Umwelt- und Verfahrenstechnik.
Der eigentliche Clou ist der Einsatz von Bildverarbeitung. Ein Kamera
tastet das Obststück ab, die Ergebnisse durchlaufen eine Software, die
das Schneidwerkzeug steuert. Dadurch "wird der Schälvorgang exakt an die
Anatomie der Frucht angepasst", sagt Professor Werner Hofacker, der das
Projekt betreut. Kurzum, ob Apfel, Gurke, Ananas oder Mango, am Ende
hält man sparsam geschältes Obst in der Hand.
Für die Forschungsarbeiten, die Entwicklung der Werkzeuge und für die
Programmierung der Anlage hat René Carreno Olejua nur eineinhalb Jahre
gebraucht. Das Verfahren ist mittlerweile patentiert, ein schwäbischer
Mittelständler als Industriepartner hat Interesse an der Produktion der
Anlage.
Carreno hat die Schneidemaschine nicht ohne Hintergedanken entwickelt:
Der gebürtige Kolumbianer will damit auch die Lebensmittelproduktion
seines Heimatlandes unterstützen, die überwiegend vom Export exotischer
Früchte abhängt.
Quelle: Hochschule Konstanz


