Neuschreiben von Grönlands Immigrationsgeschichte
Und der Beweis ist sozusagen recht handfest: DNS Proben von
versteinerten Fäkalien, gefunden in tiefen Höhlen im südlichen Oregon.
Auch bei gängigen Vaterschaftstests kann genetisches Material aus Urin
oder Kot verwendet werden.
Dieses mal liegt der Fokus auf Grönland und der wissenschaftlichen
Beweis ist eine DNS Analyse von Haar welches aus dem Disco Bay Ice
Fjord Gebiet im nord-westlichen Grönland stammt, gut erhalten nach 4000
Jahren im Dauerfrostboden. Die Entdeckung des Teams macht es notwendig
Grönlands Immigrationsgeschichte zu überdenken. Bis heute hielt die
Wissenschaft es für möglich, dass die frühsten Menschen in Grönland
direkte Vorfahren der heutigen grönländischen Bevölkerung seien. Es
stellt sich heraus, dass die ursprünglichen Immigranten
mütterlicherseits, wie sich in der mitochondrialen DNS wiederspiegelt,
stattdessen aus einer sibirischen Population kamen, deren naheste
heutige Nachkommenschaft von den Aleuten an der Grenze zwischen dem
nord-pazifischen Ozean und der Bering See und aus der Seriniki Yuit im
nord-östlichen Sibirien kommen.
„Sie müssen das von den Aleuten über Alaska und Kanada überquert haben
und dann weiter nach Grönland. Wir wussten immer, dass die ersten
Immigranten etwa vor 4500 Jahren nach Grönland kamen, da wir Werkzeuge
aus dieser Zeit gefunden hatten. Aber was wir nicht wussten war, dass
sie möglicherweise über die Aleuten kamen, was unsere DNS Untersuchung
nun zeigt (…),” sagt Eske Willerslev.
‘Vergessenes grönländisches Haar’ von aus den ´80zigern stammenden
Proben des kopenhagener Archäologen Bjarne Grønnow des National Museums
von Dänemark wurde nachträglich auf so genannte Mitochondrien
untersucht. Sie werden von der mütterlichen Seite weitergegeben, sind
eine Art zelluläres Kraftwerk und eignen sich gut für vergleichende DNS
Studien bei Säugetieren, einschließlich Menschen. Das Willerslev Team
verglich dann die Resultate der Analyse des grönländischen Haars mit
einer internationalen DNS Datenbank und die Datenbank gab östliche
Teile Sibiriens und die Aleuten an, welche bevölkert sind von einer
Gruppe die andere Gebiete im arktischen Areal besiedelt hat. Ein
weiteres interessantes Ergebnis ist, dass es keine Verbindung zwischen
dieser DNS Masse und der letzten Immigration nach Grönland, der Thule
Kultur, den Vorfahren der modernen Grönländischen Inuit gibt.
„Unsere Ergebnisse beweisen, dass Menschen viel früher zu anderen Orten
wanderten als es normalerweise heutzutage angenommen wird. Wir haben
zwar nur die Mitochondrien, die weibliche Seite, untersucht, aber es
ist das erste Mal überhaupt, dass jemand erfolgreich war bei der
Sequenzierung des Gesamten mitochondrialen Genoms eines ausgestorbenen
Menschen. Unser nächstes Projekt wird es sein, Gelder aufzubringen für
die Rekonstruktion von was technisch bekannt ist als das Kerngenom des
Haarbüschels, in anderen Worten das erste vollständige Bild des
genetischen Materials eines ausgestorbenen Menschen. Heute ist das
technisch möglich und es sagt uns vielleicht woher die väterliche Line
herkam bei der frühsten Immigration nach Grönland und zum Beispiel die
Augenfarbe dieser frühen Menschen. Die väterliche Linie mag wohl von
einem völlig anderem Ort kommen,“ sagt Eske Willerslev.
Quelle: bj diagnostik GmbH


