Rätselhafter Urzeit-Räuber aus dem Hunsrück
Vor 500 Millionen Jahren verliert sich die fossile Spur dieser ungewöhnlichen Jäger. Seitdem galten sie als ausgestorben. Forscher der Universität Bonn und der US-amerikanischen Yale University sind nun unter Fossilien aus dem Hunsrück auf einen nahe verwandten Urzeit-Jäger gestoßen. Erstaunlich daran ist das geringe Alter des Fundes von etwa 400 Millionen Jahren. Die Wissenschaftler berichten in der kommenden Ausgabe der Zeitschrift Science über ihre Ergebnisse.
Schinderhannes bartelsi heißt der neu entdeckte Urzeit-Räuber - so benannt nach dem berühmten Banditen, der im 18. Jahrhundert im Hunsrück sein Unwesen trieb. Das zehn Zentimeter lange Tier lebte im Wasser. Seine Beute spürte es mit seinen großen Augen auf und packte sie mit seinen Greifarmen. Einzigartig ist das große Paar flügelähnlicher Anhänge.
Die Bonner Doktorandin Gabriele Kühl hatte das Fossil im Rahmen eines Forschungsprojekts zur Entwicklungsgeschichte der Gliederfüßer bearbeitet. Sie analysierte Röntgenaufnahmen, fertigte Zeichnungen von dem Fund an und rekonstruierte das Tier in einem Wachsmodell. Ihre Ergebnisse diskutierte sie unter anderem mit dem Anomalocariden-Experten Derek E. G. Briggs. Der Professor aus Yale verbrachte gerade ein Humboldt-Forschungstipendium bei den Bonner Paläontologen. Briggs erkannte sofort, wie sehr Schinderhannes den anderen Anomalocariden ähnelte. In EDV-gestützten Stammbaumanalysen bestätigte sich das.
Die Entdeckung wirft einige Fragen auf. So nahm man bislang an, dass die Urzeit-Jäger zum Ende des Kambriums vor 500 Millionen Jahren ausgestorben seien. Doch nun ist klar, dass ähnliche Organismen auch in den 100 Millionen Jahren zwischen dem Kambrium und dem Schinderhannes-Fund existiert haben müssen.
Quelle: Universität Bonn
