Allg. Zeitung Mainz: Zum Bundeswehr
Richtig peinlich war aber die laue Haltung vieler Spitzenpolitiker jedweder Couleur, die sich mit dem Verweis auf die Urlaubszeit zunächst gleich reihenweise entschuldigen ließen und Vertreter entsenden wollten. Erst in letzter Minute - und wahrscheinlich nur umgefallen angesichts der vielstimmigen und lauten Kritik - bequemte man sich dann doch noch vor eben jenes Gebäude, in dem deutschen Politiker die gefährlichen Auslandseinsätze der Bundeswehr-Soldaten beschließen. Nicht nur deshalb, sondern auch in anderer Hinsicht ist diese versuchte Drückebergerei eine Schande. Denn das Gelöbnis am gestrigen Tag sollte ja an das Hitler-Attentat vom 20. Juli 1944 und an die vielen Männer, die damals ihr Leben gaben, erinnern. Wer sich da heute mit Urlaubszeit herausredet, legt eine äußerst fragwürdige Einstellung an den Tag und lässt durchscheinen, was ihm solche Gedenktage in Wahrheit bedeuten. Welch eine kerzengerade Haltung zeigte da Alt-Kanzler Helmut Schmidt, der auch mit 89 Jahren nicht die große Mühe scheute, nach Berlin zu kommen, um den Rekruten von heute und den Widerstandskämpfern von einst mit einer Ansprache die Ehre zu erweisen.
Quelle: Allgemeine Zeitung Mainz

