Neue Westfälische: Blutbad in einer US-Kaserne
Dass ausgerechnet ein Therapeut durchdrehte, der doch professionell geschult war, traumatische Erlebnisse von Soldaten aufzufangen, verstört das Land. Und dass der Amokschütze überdies noch gläubiger Moslem war, schürt aufs Neue alte Ängste und frisches Misstrauen gegen islamische Gläubige im eigenen Land. Ein brandgefährlicher Mix braut sich da zusammen. Die Armeeführung wird sich freilich kritisch fragen lassen müssen, warum sie den psychischen Stress, der sich bei Major Hasan auf so furchtbare Weise entlud, nicht rechtzeitig wahrnahm und ihm statt dessen noch den Marschbefehl für den Kriegseinsatz zustellte. Offen bezweifelt werden darf, ob die Armee angemessen auf die Hilfeschreie ihrer Soldaten eingeht, die nicht selten traumatisiert aus den Kämpfen zurückkehren. Allein in Fort Hood, für die meisten Soldaten die Schleuse für den Kampfeinsatz in Afghanistan und im Irak, haben sich in diesem Jahr schon zehn Soldaten das Leben genommen. Bislang hat das Land diese Tatsache nur am Rande wahrgenommen, nun rückt auch diese bedrückende Zahl in den Fokus. Im Krieg, der so weit weg zu sein scheint, zahlt Amerika im eigenen Land einen hohen Preis.
Quelle: Neue Westfälische
