Wie das Autoren(werk) mit fingierten Reportagen das ZDF und das ZDF die Zuschauer abkassiert
Gleichzeitig regten sich Stimmen, die Tom Kummer verteidigten. Daß er der
Berliner Zeitung veraltete und bereits erschienene Reportagen untergejubelt
hatte, sei, so hieß es, „normal“. Freie Journalisten seien wegen ihrer oft
schlechten Bezahlung geradezu dazu gezwungen, Artikel mehrfach zu verkaufen. –
Aha, der zahlende Leser kann also weder Aktualität noch Originalität erwarten,
obwohl ihm dies vorgespiegelt wird. Ob Tom Kummer ein Einzelfall war? Diese
Frage stellen nur die, die das Mediengeschäft nicht kennen.
Journalistischer Betrug wird dreist vertuscht
Bekannt werden
allerdings nur besonders dreiste und spektakuläre Manipulationen der
Journalisten. Als kürzlich die „Christiansen“-Talkshow vom russischen
Botschafter zu hören bekam, er erschiene nicht, wenn der Putin-Kritiker Gasparow
teilnehme, wurde der Oppositionspolitiker, der in seinem Land und als Demokrat
um sein Leben fürchten muß, einfach wieder ausgeladen. Danach gefragt, stellte
Sabine Christiansen den Vorgang mit fadenscheinigen technischen Gründen in
Abrede.
WDR-Chefreporter Klaus Bednarz, selbst auch Kritiker Putins,
wurde allerdings ebenfalls ausgeladen, wie er der FR berichtete, und bekam von
Christiansen zu hören, dies sei auch bei Gasparow so, über dessen Teilnahme sich
der russische Botschafter beschwert habe. Wer soll, wenn der Vertreter der
russischen Regierung sozusagen die Teilnehmer der Runde bestimmt, da noch an
Unabhängigkeit und Kritik des Top-Journalismus glauben? Das wäre aber so schlimm
nicht, wenn nicht auch noch hintennach gelogen würde. Eine Darstellung der
russischen Position allein hat zwar nicht die journalistische Tiefe, die
werthaltige und gesicherte Information verbürgt. Aber wenn dies vertuscht und
die manipulative Verflachung der Sendung in Abrede gestellt wird, dann ist das
journalistischer Betrug, der sich von dem Tom Kummers fiktivem Journalismus
höchstens graduell unterscheidet.
WiSo-Verbrauchermagazin frisiert die
Recherche
Dank der paradiesischen Finanzierung der öffentlichrechtlichen
Medien durch Zwangsabgaben in der Bevölkerung bestehen auch kaum
Kontrollmöglichkeiten. Daß die mit Getöse verkündete Selbstkontrolle tatsächlich
kläglich versagt, und zwar auf allen Ebenen, und daß dies bereits Alltag und
ganz normal ist, zeigen Berichte der WiSo-Redaktion des ZDF. Für einen Bericht
des Verbrauchermagazins WiSo unter Michael Opoczynski recherchierte das
„Autoren(werk)“, eine von zwei Berliner Journalisten gegründete
Kapitalgesellschaft. Die Rechercheure sollten einen Skandalbericht
zusammenstellen über einen Buchverlag, der unbekannte Autoren herausbringt und
diese Dienstleistung bezahlen läßt.
Der Fouqué Literaturverlag gab
bereitwillig und mit Nachweisen Auskunft über seine umfangreichen Tätigkeiten,
die für das Buch der Autorin Döbbrick in Vertrieb und Werbung erbracht worden
waren. 1.000 Buchhandlungen waren angeschrieben worden, und 600 Redaktionen war
das Buch zur Besprechung vorgestellt worden. Die Buchmessen in Frankfurt,
Leipzig und Basel wurden absolviert usw. Skandal wegen Untätigkeit adieu?
Mitnichten. Das sog. Autoren(werk) lieferte das Material zu folgender
Feststellung ab, die vom ZDF an ein Millionenpublikum ausgestrahlt wurde: Die
Autorin erklärte, sie habe 4.800 Euro bezahlt und dann „kam gar nichts mehr“.
Die Redaktion setzte noch eins drauf: „Zumindest hat die Autorin 30
Autorenexemplare dafür bekommen.“
Natürlich finden sich dann bei den
Wettbewerbern der Gescholtenen auch noch solche Beiträger, die sich auf deren
Kosten in Szene setzen und dazu herhalten, den Betrug am Publikum durch fachlich
kompetent scheinende Statements zu komplettieren. Carsten Sommerfeld vom Berlin
Verlag beispielsweise gehört in diese Kategorie Naiver.
Autoren(werk)
beschäftigt angeblich Journalisten
Wer oder was ist aber eigentlich das
„Autoren(werk)“? Einfach gesagt: Eine Firma, die Berichte erstellt und an
Medienredaktionen verkauft. Auf die Frage, ob denn die Mitarbeiter ausgebildete
Journalisten sind oder etwa universitäre Quereinsteiger, die das Handwerk nicht
wirklich erlernt haben, antwortet die Geschäftsführerin Sabine Marx, die
Mitarbeiter seien „ausgebildete und erfahrene Journalisten“. Merkwürdig, daß die
Mitarbeiterin Anne Losemann, auf deren Recherche der betrügerische Bericht über
den Fouqué Literaturverlag zurückgeht, gerade von der Uni Leipzig kommt, wo sie
2003 ihre Magisterarbeit über Zigeuner (Verzeihung, das Fach heißt:
„Tsiganologie“) in der Buchreihe des Völkerkundlichen Instituts veröffentlicht
hat.
Auf die Frage an Sabine Marx, ob denn, wenn das ZDF einen
Skandalbericht bestellt, auch immer ein Skandalbericht herauskomme, antwortete
die offensichtlich beunruhigte Geschäftsführerin: Wenn sich ein Anfangsverdacht
nicht bestätige, dann werde die Arbeit eingestellt. Und Sie wollte von unserer
Redaktion wissen, was genau uns an ihrer Arbeit störe bzw. wo sie
„journalistisch unsauber gearbeitet“ hätten.
Mitgeschäftsführer Marcus
Lindemann schwärmt von seinem Unternehmen, bei einem interessanten Ereignis
könne sein „Team kurzfristig im Dutzend ausschwärmen und fertige Beiträge
liefern“. Warum es allerdings noch ausschwärmen muß, um fertige Beiträge zu
liefern, das fragt sich, wenn man den gefälschten Bericht über den Fouqué Verlag
und die Arbeitsweise der Ethnologin Anne Losemann kennt. Daß es sich rentiert,
steht außer Frage, denn die WiSo-Redaktion ist Dauerkunde beim Autoren(werk).
Man versteht sich eben.
Der nachgewiesene Publikumsbetrug beim ZDF ein
Einzelfall?
Daß die Unternehmer Marcus Lindemann und Sabine Marx es
verstehen, ohne Umweg über die Öffentlichrechtlichen auch auf Kosten der
Steuerzahler ganz direkt Kasse zu machen, damit prahlen sie im Internet: „Dank
einer ausgeklügelten Firmenkonstruktion hat autoren(werk) auch Mittel aus den
Töpfen des Aufbau Ost bekommen.“ Das Beispiel des Fouqué Verlag, d.h. wie ein
ehrlich arbeitendes Unternehmen und seine redlichen Mitarbeiter gegen besseres
Wissen der verantwortlichen Journalisten einem Millionenpublikum als Gauner und
Betrüger vorgeführt worden sind, dürfte keine Ausnahme sein. Michael Opoczynski
und das ZDF haben nämlich vermutlich vollwissentlich den Publikumsbetrug
mitbegangen, denn als sich der diffamierte Verlag beim ZDF beschwerte, war dies
kein Anlaß, die Recherche aufzurollen und die unberechtigte Anprangerung
richtigzustellen.
Im Gegenteil, die Rechtsabteilung des ZDF schmetterte
den geschädigten Verlag mit juristischen Finessen ab. In einem gewundenden Brief
schrieb der Justitiar des ZDF, „daß in dem WiSo-Beitrag nicht behauptet wurde,
daß der Fouqué Literaturverlag seine vertraglichen Leistungen nicht erbracht
hat“. – Das war die zweite Ohrfeige für die Geschädigten, die verstanden, daß
der Betrug am Publikum, wenn er auffliegt, ungeniert in Abrede gestellt wird.
Millionen Zuschauer erfuhren, daß der betroffene Verlag unseriös sei. Das ZDF
will aber nichts dergleichen berichtet haben! Für diesen zweiten Betrug ist sich
wiederum der Justitiar des ZDF Frank Dexheimer nicht zu schade. Er lehnte
schließlich auch die Ausstrahlung einer Gegendarstellung, die letzte Hoffnung
der verleumdeten Verlagsmitarbeiter, – selbstverständlich – ab.
Alle
machen ihr Geschäft, das Autoren(werk) und das ZDF, und alle anderen verlieren:
das belogene Publikum, das angeprangerte Unternehmen und das angebliche
Verbraucheropfer
Die Anständigen der journalistischen Zunft bestätigen
die von Autoren(werk) und ZDF im vorliegenden Fall praktizierte Art der
Publikumsmanipulation, wenn Brigitte Fehrl ind der Frankfurter Rundschau vom
20.12.2006 unter Kommentaren schreibt: "...jenseits der medialen Verdrehungen
die Empörung um jeden Preis sucht..."
Einen nicht unerheblichen Schaden
haben die Machenschaften von WiSo, Anne Losemann und Konsorten aber auch jener
Autorin zugefügt, die gelähmt und verarmt im Rollstuhl sitzt. Denn der
geschädigte Verlag mußte die weitere Verbreitung jener falschen Behauptung, der
Verlag erbringe seine Leistungen nicht, sobald er bezahlt sei, natürlich
unterbinden. Das gebeutelte Unternehmen mußte eine Unterlassungserklärung von
der alten Frau einfordern. Die Autorin hat ihren Auftritt beim ZDF und die
Tatsache, daß sie dem „Autoren(werk)“ und Michael Opoczynski das saubere
Geschäft ermöglicht hat, mit einer saftigen Anwaltsrechnung bezahlen
dürfen.
Der Fall ist so eindeutiger journalistischer und nachhaltiger
Betrug, daß man auch an der Seriosität der übrigen WiSo-Berichte zweifeln muß.
Was in den Köpfen der Beteiligten vorgeht, die absichtlich falsch über
Unternehmen und damit auch über Mitarbeiter berichten, die redlich ihr Geld
verdienen und für die damit ein irreparabler Rufschaden in Kauf genommen wird,
das kann man sich nur fragen. Nachbarn und Freunde vergessen nicht, was das für
seriös gehaltene ZDF „berichtete“. Die solcherart stigmatisierten Mitbürger sind
zuunrecht unter Umständen fürs Leben in ihren sozialen Beziehungen geschädigt.
Daß dabei auch das zahlende Publikum belogen und betrogen wird, auch das
kümmert, ausweislich der juristischen Abschmetterung des Aufklärungsverlangens
der Geschädigten nicht.
Das ist den Michael Opoczynski und Anne Losemann und Marcus Lindemann aber offensichtlich egal. Was zählt, ist das Geld in der Kasse, das das dumme Publikum über die GEZ ja reichlich sprudeln läßt. Sabine Marx vom „Autoren(werk)“ bestätigt: „Wir arbeiten am liebsten für öffentlich-rechtliche Sender.“ Das Autoren(werk) kassiert für seine schmutzige Arbeit, für die alle paar Wochen einige Unglückliche ohne Wimperzucken öffentlich hingerichtet werden, nach eigenen Angaben, für einen einzelnen Auftrag schon einmal 100.000 Euro. Um Peanuts geht es also nicht, und hier liegt wohl auch die Ursache für den Medienbetrug, der sich richtig lohnt. Der Skandaljournalist Tom Kummer gab ungeschminkt zu Protokoll, die Budgets „beeinflussen natürlich die Realität“.
Quelle: Pressemitteilung Brentano-Gesellschaft Frankfurt/M. mbH
Anmerkung der Redaktion: Wer sich für Betrugsfälle in den Medien interessiert, sollte sich auch einmal das Buch "Der Fake-Faktor" ansehen.

